Werbe-Promis von nebenan

Kürzlich wurde auf Spiegel Online ein Artikel veröffentlicht, der sich mit dem TV-Abschied von Marcell D’Avis, der in seiner Funktion als „Leiter Kundenzufriedenheit“ einige Jahre das Werbegesicht von Internet-Provider 1&1 war, auseinandersetzte.

D’Avis hat sicher nicht nur bei mir als Testimonial für eine deutliche Steigerung der Markenbekanntheit von 1&1 gesorgt. Warum blieb er aber so besonders gut im Gedächtnis? Der Noise-Level allein von Testimonial-Werbung ist schließlich schon beachtlich hoch. Sicher hat es auch mit dem ewigen Reizthema „Kundenservice in der Telekommunikationsbranche“ zu tun, für das D’Avis steht und mit dem sich auch der Spiegel im obigen Beitrag in erster Linie beschäftigt hat. Vergleicht man aber Marcell D’Avis mit anderen Arten von Testimonials, so nimmt er eine Sonderstellung ein, die die Wirkung und den Recall der Spots unterstützt hat.

Testimonials können real oder fiktiv sein. Letztere – wie Dr. Best oder Herr Kaiser – halte ich in transparenten Internet-Zeiten für eine aussterbende Spezies. Auch wenn sich das Gerücht eine Weile hielt, D’Avis wäre Werbe-Fiktion, ist er ein reales Exemplar. Hier kämpft er mit einer Reihe verschiedener Testimonialtypen um die Aufmerksamkeit der Zielgruppen: Unzählige Prominente, Stars und Sternchen leihen ihren Namen für Marken und Produkte. Zum Zeitpunkt des Kampagnenstarts war D’Avis nicht prominent und kann klar nicht in diese Kategorie eingeordnet werden. Auch nicht in die Testimonial-Gruppe “Kunden”, wie sie z. B. Fielmann aktuell in TV-Spots einsetzt.

D’Avis ist in führender Position bei 1&1 angestellt, somit gehört er grundsätzlich zur Kategorie Mitarbeiter bzw. Unternehmensvertreter. Mitarbeiter-Testimonials sollen dem Zuschauer/Leser das „Einer von uns Gefühl“ geben und damit Glaubwürdigkeit ausstrahlen. Kennen Sie Dieter Sieber? Er ist ein aktuelles Beispiel für ein Mitarbeiter-Testimonial von ExxonMobil. Weit bekanntere Beispiele dieser Gruppe sind Unternehmerpersönlichkeiten wie Claus Hipp, der für die Bio-Qualität seiner Baby-Nahrung mit seinem Namen steht oder Wolfgang Grupp, der seine Trigema-Textilien nur in Deutschland fertigen lässt.

Für mich stellt D’Avis eine spezielle Mischung in der Testimonial-Landschaft dar, weil er als Mitarbeiter weder prominent aufgrund seiner Position im Unternehmen, noch ein mehr oder weniger gesichtsloser Vertreter à la Dieter Sieber ist. Die entscheidenden Zutaten für diese Inszenierung sind für mich der bodenständige Charakter inklusive auffälligem Akzent und die direkte persönliche Ansprache der Zuschauer, die Nähe und Glaubwürdigkeit kommunizieren. Andererseits sorgen der nicht zu ignorierende Namenskult („Hallo, ich bin Marcell D’Avis.“) und der omnipräsente Einsatz von D’Avis auch in Spots, die nicht direkt mit Kundenservice zu tun hatten, für einen gewissen Promi-Status. So wurde dem Leiter Kundenzufriedenheit auch die Ehre zuteil, Hauptdarsteller in zahlreichen mehr oder weniger schmeichelhaften Parodien zu sein.

Nach dem Ende von D’Avis’ Werbekarriere können wir nun auf den nächsten polarisierenden Werbepromi von nebenan warten, falls wieder eine Marke auf diesen Ansatz setzen sollte.

Mit dem Google Chromebook in der Wolke

In den zurückliegenden Monaten hatte ich die Gelegenheit, ein Chromebook von Google testen zu können, genauer gesagt die 3G-Variante von Samsung. Da ich kein Tablet besitze, konnte ich das erste Mal ein Gerät nutzen, das zur mobilen Klasse zwischen Smartphone und stationärem Rechner gehört.

Das Chromebook liegt von den Maßen her zwischen einem großen Netbook und einem kleinen Laptop und hat eine vollwertige Tastatur plus Touchpad. Letzteres ist leider nicht gerade ein Traum in Sachen Bedienung, besonders der durch einen gleichzeitigen Zwei-Finger-Klick ausgelöste Rechtsklick-Ersatz sorgt häufig für ungewollte Eingaben.

Das besondere Merkmal des Chromebooks ist die Tatsache, dass das Gerät konsequent auf das Internet bzw. das Cloud Computing ausgerichtet ist. Eine Festplatte gibt es nicht. Alles wird im Netz erledigt, einziges installiertes Programm ist der Chrome Browser. Dieser Verzicht auf ein Betriebssystem bzw., dass der Browser diese Rolle übernimmt, macht das Chromebook quasi allzeit bereit und verkürzt das Hochfahren enorm: Kaum hat man den Deckel hochgeklappt, steht einem das Netz schon zur Verfügung. In dieser Eigenschaft liegt für mich der größte Vorteil des Chromebooks. Es ist sehr gut für eine schnelle Internetsuche geeignet oder für die parallele Nutzung z. B. neben dem TV. Diese Lücke hat das Chromebook in meinem persönlichen Mediennutzungsverhalten besetzt, denn mir ist in solchen Situationen das Browsersurfen auf dem Smartphone zu umständlich und das Hochfahren des PCs dauert wesentlich länger und erscheint angesichts eines kurzen „Surf-Trips“ zu aufwändig.

Für mehr als die Besetzung dieser Lücke hat es aber für das Chromebook noch nicht gereicht. Zwar benutze ich schon eine Reihe von Google-Services und habe entsprechend einen Account beim Online-Riesen. Da ich ein Android-Smartphone habe, profitiere ich dabei auch von der komfortablen Synchronisierung aller Google-Dienste über die Geräte hinweg. Andererseits findet meine berufliche und private Medien-Nutzung nur in geringem Maße in der Cloud statt – das klassische Windows-System dominiert (noch). Wahrscheinlich ist es aber nur eine Frage der Zeit, bis sich die Cloud auch bei Privatanwendern wie mir durchsetzt, denn sowohl etablierte Player wie Apple mit der iCloud, Google mit Chrome und Microsoft mit Windows 8 setzen auf die Dezentralität des Internets. Dazu kommen neue starke Wettbewerber wie die Deutsche Telekom. Neben eigenen Angeboten wurde über das Tochterunternehmen Strato in Kooperation mit der Bild auch schon der „Volks-Online-Speicher“ angeboten. Der Wettkampf um die Kundengunst ist also in vollem Gange – Ausgang offen.

Dr. Annette Bruce in der APG Strategy Corner

In der aktuellen Ausgabe der APG Strategy Corner – erscheint in der new business – schreibt Dr. Annette Bruce über die Service-Kultur von Unternehmen und Marken: Wie sie heute oft noch ist und wie sie sein sollte, wenn der Kundenservice zum echten Marken-Kapital werden soll.

Download des Artikels als PDF hier.

Wenn der Schein trügt: Verbraucherverhalten in Russland

Bei den Wörtern „Russland“ und „Konsum“ fallen einem viele Dinge ein, die in erster Linie eines sind, nämlich teuer: Luxus-Mode, Oberklasse-Sportwagen, Yachten oder gleich ein ganzer Fußball-Club. Geprägt ist diese Wahrnehmung durch die sehr kleine, aber dafür umso prominentere Schicht sehr reicher Russen.

Auch dem Rest der russischen Bevölkerung ist der Drang nach dem Prestige teurer Produkte und Premium-Marken nicht fremd. In Abhängigkeit des Budgets kann dies eine sehr teure Zigarettenmarke oder eine all-inclusive Urlaubsreise nach Ägypten sein. Denn nach außen hin ein gutes Bild abzugeben, hat in der russischen Kultur schon seit der Zarenzeit einen sehr hohen Stellenwert.

Literaturtipp: “We don’t have sex in the Soviet Union”, Absatzwirtschaft 01/2008

Durch die leidvollen Erfahrungen der Unsicherheit, die das Leben seit vielen Generationen in Russland prägt, hat Sparen keinen Wert. In der wechselvollen Geschichte gab und gibt es viele Aufschwünge und Niedergänge. Die allerwenigsten Russen haben ihr ganzes Leben in relativer Sicherheit und Wohlstand verbracht, im Gegensatz z. B. zu den Nachkriegsgenerationen in Deutschland. Warum also sparen, wenn die Zukunft nicht planbar ist?

Russland ist ein Markt, der ohne Zweifel sehr gute Voraussetzungen für hochpreisige Waren und Luxus-Marken bietet. Anbieter dieser Produkte erfreuen sich seit Jahren an wachsendem Geschäft. Russische Verbraucher in ihrem Verhalten und ihren Treibern allerdings rein auf Prestige-Streben zu reduzieren, ist ein Fehler.

Denn ebenso tief verwurzelt sind traditionelle Werte wie Gemeinschaftsgefühl, Freundschaft und Familie, die Konsumentscheidungen und die Wahrnehmung von Marken – insbesondere im FMCG-Bereich – ebenfalls wesentlich prägen. Mitglied einer intakten Gemeinschaft zu sein ist dabei aber nicht nur ein Schutz gegen die Unsicherheiten des Lebens, sondern auch ein Zeichen von sozialem Prestige. Insbesondere jüngere Generationen suchen Marken, die Best of both Worlds miteinander verbinden. Nicht mehr allein die Zurschaustellung materiellen Reichtums ist ihnen wichtig. Ihnen geht es vermehrt um den persönlichen Erfolg und den damit verbundenen Beitrag zur Gesellschaft.

In diesem sozio-kulturellen Spannungsfeld zwischen Prestige und Gemeinschaftsgefühl müssen Unternehmen und Marken heute in Russland agieren. Je nach Branche und Produkt ist das Kräfteverhältnis der beiden Einflussfaktoren zu bestimmen und die Vermarktungsstrategie entsprechend zu gestalten.

[Anmerkung: Creative Advantage berät seit 2005 deutsche und internationale Unternehmen zu ihren Vermarktungsstrategien in Russland. Unsere Erkenntnisse und Beratung basieren auf zahlreichen Verbraucher- bzw. Kunden-Workshops und Tiefeninterviews.]

Die neue Ökonomie des Teilens

Rein privat und besonders im familiären Rahmen wurden und werden Güter und Produkte schon immer gerne geteilt. Auch oder gerade jene, die sich auch heute noch nicht einfach (ob legal oder nicht lasse ich hier außen vor) vervielfältigen lassen: Brüderchen trägt die Klamotten von Schwesterchen auf, Sohn erbt mit 18 Mutters Kleinwagen und wohnt bis dahin quasi-autonom zur kostenlosen Untermiete im Dachgeschoss.

Mit aller Welt oder zumindest mit ausgesuchten größeren Kreisen digitale Inhalte online zu teilen, ist das Kernelement des Web 2.0. Diese beiden Welten des Teilens kommen jetzt immer häufiger in Form von Geschäftsideen zusammen. Solche waren auch Thema eines Diskussions-Panels im Rahmen der Social Media Week 2012 in Hamburg unter dem Titel „SPREAD 2050: Social Media Visionen“ (Video aktuell noch verfügbar). Neben Moderatorin Nora Brüggemann (SPREAD Sustainable Lifestyles 2050), Peter Wippermann (Trendbüro) und Heiko Hebig (Spiegel) nahmen auch drei Unternehmensvertreter an der Runde teil, deren Geschäftsmodelle auf der Ökonomie des Teilens basieren. Die Geschäftsideen kurz vorgestellt:

Kleiderkreisel: Kostenlose Online-Tauschbörse für Second Hand Kleidung mit der Möglichkeit die Kleidungsstücke entweder zu verkaufen, zu tauschen oder auch zu verschenken. Bietet außerdem eine große Foren-Community um die Themen Mode, Ökologie und Nachhaltigkeit. Der vielfältig filterbare Katalog umfasst über 850.000 Artikel. Bei der Paneldiskussion vertreten durch Sophie Utikal.

Nachbarschaftsauto: Plattform für privates Carsharing. Bietet eine spezielle Zusatzversicherung für den Verleiher an. Momentan noch im Beta-Status mit knapp 500 Autos im Angebot. Bei der Paneldiskussion vertreten durch Christian Piepenbrock.

9flats: Plattform für private Übernachtungen als Hotel-Ersatz. Gestartet von Qype-Gründer Stephan Uhrenbacher und im Wettbewerb mit u.a. dem US-Konkurrent Airbnb. Aktuell ein Angebot von über 30.000 privaten Übernachtungsmöglichkeiten weltweit. Bei der Paneldiskussion vertreten durch Benedikt Schaumann.

In der Diskussion wurde schnell deutlich, dass sich in sozialen Medien übliche und gelernte Verhaltensweisen, insbesondere das Teilen und Bewerten und der Wunsch einer wachsenden Zahl von Menschen nach einem nachhaltigeren Lebensstil verbinden und so die Grundlage für den Erfolg der Geschäftsmodelle bilden. Nachhaltiger Konsum ist über soziale online Plattformen bequem wie nie zuvor, wie Heiko Hebig treffend bemerkte.

Bemerkenswert und über soziale Medien hinaus relevant für das Marketing ist der Einstellungswandel, den Verbraucher als Akteure in der Ökonomie des Teilens zeigen. „Verbraucher“ ist dabei schon fast kein treffender Begriff mehr, denn viele Nutzer werden schließlich selbst zum Anbieter. Vertrauen spielt in der Ökonomie des Teilens die zentrale Rolle. Transparenz und ständiges Community-Feedback sorgen sogar z. B. dafür, dass einige Deutsche ihr liebstes Kind – das eigene Auto – an (zunächst) Fremde verleihen.

Als Motive zur Nutzung ihrer Angebote sahen die Diskussionsteilnehmer das reine Streben nach einer nachhaltigen Lebensweise zum Teil in den Hintergrund treten. Insbesondere jüngere Menschen messen der Nutzung, z. B. eines Autos, bzw. der Möglichkeit dazu, einen höheren Wert bei als dem Besitz. Nachhaltiges Handeln mit seinen positiven externen Effekten hat durch Verleih des eigenen Autos oder der Wohnung gegen Entgelt auch einen individuellen monetären Nutzen und wird auf diese Weise zusätzlich attraktiv. Kleiderkreisel führt neben dem nachhaltigen Konsum außerdem klassische funktionale Benefits wie eine riesige Auswahl oder niedrige Preise an.

Sind solche Verbraucher-internen Wirtschaftskreisläufe eine Bedrohung für Marken-Hersteller? Wird bald mehr geteilt als gekauft? Sicherlich nicht. Aber die neue Ökonomie des Teilens ist in jedem Fall eine Entwicklung, auf die reagiert werden sollte. Sie stellt einerseits Grundpfeiler des Marketings in Frage, wie z. B. das klassische Lebenszyklus-Modell. So besteht jetzt für ein Produkt die Möglichkeit, nach einer erfolgreichen Zeit auf dem primären Produzenten-Verbraucher-Markt, ein „zweites Leben“ in der Ökonomie des Teilens zu starten – dessen Wertschöpfung allerdings außerhalb der Hersteller-Sphäre liegt. Andererseits zeigen die vielen Geschäftsideen, welches (Profit)Potential in diesem Bereich besteht. Und das steht allen potentiellen Wettbewerbern offen.

Social Media Week 2012: Mit Google+ näher am Kunden

Hamburg ist in diesem Jahr eine von 12 Städten weltweit, in denen vom 13.-17. Februar die Social Media Week 2012 stattfindet. Aus dem breiten Programmangebot hatte ich mir den Vortrag „Mit Google+ näher am Kunden“ herausgesucht. Referent war Joel Berger, Industry Leader Media & Entertainment bei Google. Ich war neugierig zu hören, welche Ziele Google mit seinem sozialen Netzwerk verfolgt und wie seine Vorzüge im „O-Ton“ dargestellt werden. Der Saal im Flügelbau des Hauptgebäudes der Uni Hamburg war mit ca. 140-150 Teilnehmern gut gefüllt, das Interesse also groß.

Den Kern des Vortrags bildeten vier Thesen, die jede für sich ein Problemfeld im Online bzw. Social Media Marketing darstellen:

  • Botschaften sind unpersönlich
  • Kommentare sind keine Konversationen
  • Empfehlungen sind flüchtig
  • (Online) Marketing ist fragmentiert

Wie zu erwarten war, biete Google+ zu jedem dieser Problemfelder einen Lösungsansatz:

Dank der Circles kann man Botschaften Zielgruppen-spezifisch aussteuern und umgeht auf diese Weise eine „One Post Fits All“ Kommunikation.

In den Hangouts führt man Dialog von Angesicht zu Angesicht anstatt dass isolierte Kommentare an (Unternehmens-)Botschaften gehängt werden und es bei Einweg-Kommunikation bleibt.

Mit der Nutzung des +1 Buttons verschwinden Empfehlungen von Freunden nicht mehr im Stream-Nirvana, sondern werden dann sichtbar, wenn man sie braucht – bei einer Google-Suchanfrage.

Außerdem verbindet die +1 Funktion sämtliche Angebote und Plattformen von Google und wirke so der Fragmentierung von Marketing-Maßnahmen entgegen.

Insgesamt sind diese Ausführungen wenig überraschend. Als ich die Thesen sah, hatte ich schon einige (treffende) Vermutungen, was als Lösung präsentiert werden würde. Interessant und bemerkenswert war für mich allerdings die Rolle, die Google+ im Google Portfolio spielen soll und wie diese formuliert wurde. Der eigentliche Schlüssel ist nicht Google+ als soziales Netzwerk, sondern der +1 Button als Schnittstelle zwischen den verschiedenen Angeboten im Google-Universum und letztlich zur Aufwertung der Google-Suche durch persönliche Empfehlungen. Google+ wird dabei als praktische Aggregations-Plattform gesehen, im Gegensatz zu einer Status-Plattform wie Facebook (Ich mache gerade dies…, Ich bin gerade hier…).

Der Knackpunkt liegt dabei darin, wie schnell die personalisierte Suche bei Google wirklich relevant werden kann, denn alle Freunde und sonstige vertrauenswürdige Quellen für persönliche Empfehlungen brauchen zum „Plussen“ zumindest einen Google-Account. Google selbst ist laut Herrn Berger allerdings zuversichtlich – insbesondere aufgrund des Blitzstarts von Google+ – und sieht sich im Zeitplan. Zu dem allerdings Google-typisch keine Details zu erfahren waren.

Viele der Veranstaltungen der Social Media Week – wie auch dieser Vortrag von Google – sind per Livestream und nachträglich als Video hier zu sehen.

Digital-Marketing mit Kampagnencharakter bei VW und der Sparkasse

Die digitale Welt und das Internet im Speziellen stehen für Schnelllebigkeit und kontinuierlichen Wandel. Dieser Einfluss macht vor dem Marketing nicht halt. Selbst erfolgreiche Online-Marketeers wie Lady Gaga Manager Troy Carter gestehen ein, Tag für Tag auf Neuland zu arbeiten – so zu lesen in der aktuellen W&V.

Bei einigen Marken setzt jetzt allerdings eine Form der Kontinuität im online Marketing ein, die man aus der TV-Kommunikation kennt. So knüpfen aktuell VW und die Sparkassen an letztjährige Erfolge an. Die bestehende Kommunikationsidee wird variiert, um sie aktuell und relevant zu halten – es entsteht digitales Marketing mit Kampagnencharakter.

VW setzt in den USA rechtzeitig zum Superbowl wieder auf Star Wars. Das Video „The Bark Force“ knüpft an den „The Force“ Spot um den liebenswerten Mini Darth Vader an.

Das Video ist verknüpft mit einem „Intergalactic Invite“ und verspricht VW-Fans und Followern die Chance „See your name in the stars on January 27th.“ Man darf gespannt sein, was genau das bedeutet. Massentauglich ist das Video allemal, so wird hier ein Kultfilm mit „Dogvertising“ kombiniert. Innerhalb von knapp einer Woche hat der Clip auf YouTube auch bereits über 7.000.000 Aufrufe.

Bei der Sparkasse geht bald „Giro sucht Hero“ in eine zweite Runde. Nachdem sich die beiden Moderatoren Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf in der ersten Staffel Eins-gegen-Eins um die Hero-Ehre duellierten, darf die Fan-Gemeinde jetzt mitmachen. Für vier verschiedene Wettkämpfe besteht die Möglichkeit, sich als Unterstützer für die beiden zu bewerben und selbst Werbestar zu werden. Die Resonanz ist vielversprechend. Bei der über Facebook gestellten Frage, wie die Community einer Neuauflage gegenübersteht, regnete es in kurzer Zeit knapp 3.500 „Likes“. Die Fans konnten also seit Ende der letztjährigen Aktion gebunden werden.

Es wird Interessant sein zu sehen, wie langfristig Kampagnenhorizonte im digitalen Bereich ausfallen werden. Kampagnen-Ikonen wie der Marlboro-Mann überdauerten Jahrzehnte. Der Old Spice Guy ist knapp zwei Jahre im Einsatz. VW/Star Wars und Giro sucht Hero stehen noch ganz am Anfang.

Der Kampf um Aufmerksamkeit: Frech gewinnt?

Jeder Marketer kennt die einschüchternden Zahlen: potentielle Kunden werden pro Tag mit einer riesigen Menge an Werbebotschaften konfrontiert, von denen die allermeisten es nicht durch die Filterroutinen zur Aufmerksamkeit schaffen und noch weniger längerfristig im Gedächtnis bleiben.

In den letzten Tagen bin ich allerdings mit drei Werbebotschaften in Kontakt gekommen, die sich den Weg in mein Gedächtnis bahnen konnten. Alle drei Beispiele haben gemeinsam, dass der Touchpoint und die Art der Ansprache sehr ungewöhnlich sind. Man kann diese Art gerne auch als frech bezeichnen.

Die Moped-Gang vom Möbelhaus

Im Hamburger Westen herrscht kein Mangel, wenn es um die Möglichkeit zum Möbeleinkauf geht. Im Umkreis von wenigen Autobahnausfahrten kann man bei IKEA, in der Möbelmeile Halstenbek und seit einigen Monaten auch bei Höffner shoppen. Wie ich feststellen konnte, macht die Konkurrenz auch vor dem „gegnerischen“ Parkplatz nicht halt. Am Samstag vor der Eröffnung einer neuen Filiale in der Möbelmeile schickte POCO Domäne eine Kolonne an motorisierten Zweirädern mit Anhängern samt Werbeplakat los, um einige Runden auf dem Höffner-Parkplatz zu drehen. Mit diesem Schuss Dreistigkeit ist mir POCO Domäne (fast) nachhaltiger im Gedächtnis geblieben als mit den Daniela Katzenberger Plakaten, die zahlreich im Einzugsgebiet der neuen Filiale die Straßen schmücken.

Ein guter „Tipp“ bei Foursquare

Beim Check-In zur gestrigen Veranstaltung des Marketing-Clubs Hamburg im Hotel Grand Elysée fiel mir die mit sechs relativ hohe Zahl an hinterlassenen Tipps auf. Zwei davon waren allerdings nicht als Orientierung für Hotel- oder Restaurantgäste gedacht, sondern Werbung in eigener Sache für eine Kommunikations-Beratung. Die Location ist für den Zweck gut gewählt, der Inhalt des „Tipps“ verstößt aber gegen die Foursquare-Netiquette. Wieviel Traffic der Eintrag bringt, sei dahingestellt. Einen Klick aus professionellem Interesse von mir hat es auf jeden Fall gebracht.

Unerwartete Freundschaftsanfrage

Diese Kampagne habe ich zwar nicht „live“ erlebt, sie passt aber von ihrer Art her gut in den Kontext: Die brasilianische Kondommarke Olla hat falsche Facebook-Profile von frisch geborenen Babies erstellt und diese eine Freundschaftsanfrage an den vermeintlichen Vater stellen lassen. Schaute sich dieser das Profil näher an, stieß er auf schnell auf die Marke Olla, die Schutz vor solch unliebsamen Überraschungen verspricht. Das Ganze verstößt zwar gegen eine Reihe von Facebook-Nutzungsbedingungen, eine gute Idee ist es trotzdem. Hier ein Video mit Details zur Kampagne:

Die letzten beiden Beispiele zeigen, wie sich in neuen Medien ganz neue Wege der Kundenansprache finden lassen. Dass das auch offline möglich ist, zeigt die Moped-Gang von POCO Domäne. Probate Mittel, um die Aufmerksamkeit des Kunden zu erregen – ob man das nun frech, dreist oder einfach schlau findet.

Fashion for Home und Zalando lassen Schuhschrankträume wahr werden

In einem Crowdsourcing-Wettbewerb haben Fashion for Home, Zalando und die Jolie die Community dazu aufgerufen, individuelle Designs für den perfekten Schuhschrank zu entwickeln. Was dabei zählt, ist die Idee. Deren Realisierung konnte je nach Können in Form einer Strichzeichnung erfolgen oder professionell am Computer gestaltetet werden.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Bis zum 31.10.2011 besteht nun die Möglichkeit, über die Entwürfe abzustimmen und somit zu entscheiden, welche Traumschuhschränke in die Produktion gehen. Im November werden von den drei Gewinner-Modellen Prototypen erstellt, die die Designer geschenkt bekommen. Zusätzlich werden unter allen Voting-Teilnehmern jeweils drei Exemplare der Traumschuhschränke verlost. Die Gewinnermodelle werden außerdem in das Sortiment von Fashion for Home aufgenommen. Alle Abstimmungsteilnehmer erhalten als Dankeschön 10 % Rabatt, sollten sie eines dieser drei Schuhregale bei Fashion for Home bestellen.

Eine gelungene Aktion, der die Teilnehmer mit viel Einsatz und Kreativität gefolgt sind – trotz der relativ komplexen Anforderung, einen Schuhschrank zu entwerfen. Ebenfalls geschickt ist die Nutzung des Wettbewerbs zur Verkaufspromotion im Online Shop über den Dankeschön-Rabatt für die Voting-Teilnehmer.

Fashion for Home will mit der Aktion ihr Grundkonzept – Möbel von freien Designern entwickeln zu lassen und über ihre Plattform zu vermarkten – kommunizieren. Außerdem sollen der Wettbewerb und insbesondere das Voting natürlich für Traffic sorgen, damit potentielle Kunden das noch recht junge Konzept kennenlernen und vielleicht zahlende Kunden werden. Zalando dagegen stärkt seine Schuhkompetenz – wo es um Schuhe geht, ist Zalando dabei.

Ob die Gewinner-Modelle tauglich sind, einen Beitrag zur Vermarktung des Geschäftsmodells und der tollen Designer-Möbel von Fashion for Home zu leisten, bleibt abzuwarten. Einige der Crowdsourcing-Designs kann man sich sehr gut im Sortiment vorstellen. Was aber, wenn z. B. das Schuhzelt noch einen famosen Endspurt hinlegt? Dann hätte Fashion for Home seinen eigenen Priiiil- oder Brigitte-Moment. Hier haben Aktionen wie die Ritter Sport Blog-Schokolade gezeigt, wie sich durch eine Vorauswahl der Voting-Kandidaten unliebsame Überraschungen vermeiden lassen.

Der aktuelle Favorit “Schuhe3

Das Design “Schuhzelt”

Natürlich steht und fällt der Erfolg einer Aktion auch mit ihrer Reichweite und die hängt maßgeblich von der Kommunikation der Promotion ab. Mir war die Aktion nicht aufgefallen, bis uns Fashion for Home darauf hingewiesen hat. In Punkto Reichweite ist außerdem die geringe Zahl an abgegebenen Stimmen auffällig. Einige Modelle – teilweise auch Entwürfe, in welche die Designer offensichtlich viel Zeit investiert haben – verzeichnen knapp zwei Wochen nach Einsendeschluss und kurz vor Ende der Voting-Phase nicht eine einzige Stimme. Sehr verwunderlich. Die Gründe liegen nicht auf der Hand, denn die Möglichkeiten, das eigene Design bekannt zu machen und um Stimmen zu werben, sind u.a. über eine direkte Facebook-Anbindung gegeben. Schwer vorstellbar ist auch mangelnde Motivation seitens der Designer, das eigene Modell zu promoten, wartet doch auf die Sieger ein wirklich attraktiver Preis.

Alles in allem scheint die Reichweite, was die aktive Teilnahme am Wettbewerb über Einreichung eines Designs oder über Voting betrifft, ausbaufähig und wird der attraktiven Aktion und vielen Schuhschrank-Entwürfen nicht gerecht.

Pilatuspool: Mietraum für Veranstaltungen in Hamburg-Neustadt

Wir möchten unseren neu gestalteten Veranstaltungsraum, den Pilatuspool, vorstellen. Eine Location für kreatives und produktives Arbeiten, zentral gelegen in der Hamburger Neustadt zwischen Großneumarkt und Gängeviertel. Die Räumlichkeiten sind umfassend ausgestattet und für bis zu 20 Personen flexibel gestalt- und buchbar.


Alles Weitere und mehr Bildmaterial auf der Website: http://www.pilatuspool.de/